Abgassysteme

Ein Abgassystem leitet die bei der Verbrennung in Heizkesseln und Öfen entstehenden Abgase sicher und emissionsarm über das Dach ins Freie. Moderne Brennwertsysteme nutzen feuchteunempfindliche, druckdichte Rohrleitungen aus Kunststoff oder Edelstahl. Sie schützen das Gebäude zuverlässig vor Feuchtigkeitsschäden und versottenden Schornsteinschächten.

Was ist das / Wie funktioniert es

Ein Abgassystem führt die gasförmigen Verbrennungsprodukte von Heizkesseln, Thermen und Kaminöfen sicher aus dem Gebäude ab. Während herkömmliche Schornsteine ausschließlich mit thermischem Auftrieb (Naturzug) arbeiteten, erfordern moderne Heizanlagen spezialisierte Leitungssysteme.

Man unterscheidet im Wesentlichen folgende Systemarten:

  1. Kunststoff-Abgasleitungen (PP): Bestehen aus speziellem, schwer entflammbarem Polypropylen. Sie sind bis zu einer Abgastemperatur von typischerweise 120 °C (Temperaturklasse T120) zugelassen, vollkommen korrosionsfest gegen saures Kondensat und werden vor allem für Gas- und Öl-Brennwertgeräte eingesetzt.
  2. Edelstahl-Abgassysteme: Einwandige Edelstahlrohre dienen zur Sanierung bestehender Schornsteine bei höheren Abgastemperaturen (z. B. bei Pellet- oder Holzkesseln). Doppelwandige, mineralisch gedämmte Edelstahlschornsteine werden außen an der Fassade montiert, wenn im Gebäudeinneren kein freier Schacht vorhanden ist.
  3. Konzentrische Rohrsysteme (LAS / Koaxialrohr): Ein Rohr-in-Rohr-System, bei dem im inneren Rohr das Abgas nach außen geblasen wird, während im Ringspalt dazwischen frische Verbrennungsluft von draußen angesaugt wird (raumluftunabhängiger Betrieb). Durch den Gegenstrom wird die Zuluft bereits vortemperiert, was den Anlagenwirkungsgrad leicht steigert.

Moderne Brennwertgeräte drücken ihre Abgase mit einem internen Gebläse aktiv durch das Rohr. Das System muss daher der Überdruckklasse P1 entsprechen und an allen Steckverbindungen mit säurebeständigen Elastomer-Dichtungen versehen sein.

Wann ist es sinnvoll

Bei jeder Modernisierung eines Heizkessels auf Brennwerttechnik ist die Anpassung des Abgassystems technisch zwingend erforderlich.

Alte gemauerte Schornsteine wurden für heiße Abgase von über 160 °C ausgelegt. Ein Brennwertkessel entzieht dem Abgas jedoch fast die gesamte Wärme, sodass die Abgase mit lediglich 35 °C bis 50 °C in das Rohr eintreten. Ohne eine feuchteunempfindliche Einzugsleitung würde der im Abgas enthaltene Wasserdampf an den kalten Ziegeln kondensieren, was innerhalb kürzester Zeit zur Durchfeuchtung des Mauerwerks (Versottung) mit üblen Gerüchen und Bauschäden führt.

Für Hausbesitzer ohne freien Schachtzug bietet die Montage eines doppelwandigen Edelstahlschornsteins an der Außenfassade eine flexible und saubere Lösung, um Kaminöfen oder Pelletheizungen nachzurüsten.

Worauf achten

Bei der Planung und Ausführung von Abgasanlagen sind baurechtliche und sicherheitstechnische Auflagen streng zu beachten:

  • Zulassung und CE-Klassifizierung: Das Abgassystem muss exakt auf den Wärmeerzeuger abgestimmt und systemzertifiziert sein. Maßgeblich sind Temperaturklasse (z. B. T120 für Brennwert, T400 für feste Brennstoffe) und Druckklasse (P1 für Überdruck, N1 für Unterdruck).
  • Brandschutz im Schacht: Führt die Abgasleitung durch mehrere Geschosse, muss sie in einem feuerwiderstandsfähigen Schacht (je nach Landesbauordnung F90 bzw. L90) verlaufen, um eine Brandübertragung zu verhindern.
  • Kondensatableitung: Im Abgasrohr anfallendes Kondensat muss ungehindert zurück in den Siphon des Kessels oder einen separaten Kondensatablauf fließen können. Waagerechte Leitungsabschnitte erfordern ein Mindestgefälle von 3 Grad (ca. 5 Zentimeter pro Meter) in Richtung Wärmeerzeuger.
  • Schornsteinfeger-Abnahme: Jede neue oder geänderte Abgasanlage muss vor der ersten Inbetriebnahme vom zuständigen bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger begutachtet und brandschutzrechtlich abgenommen werden.

Häufige Fragen

Warum benötigt eine Brennwertheizung ein spezielles Abgasrohr?

Brennwertgeräte arbeiten mit sehr niedrigen Abgastemperaturen, wodurch Wasserdampf bereits im Abgasweg kondensiert. Ein klassischer gemauerter Schornstein würde diese Feuchtigkeit aufsaugen und versotten. Ein feuchtigkeitsdichtes Kunststoff- oder Edelstahlrohr verhindert Bauschäden und hält dem leichten Gebläseüberdruck stand.

Was bedeutet raumluftunabhängiger Betrieb (RLU)?

Beim raumluftunabhängigen Betrieb bezieht das Heizgerät die für die Verbrennung benötigte Luft nicht aus dem Aufstellraum, sondern über ein konzentrisches Rohr direkt von außerhalb des Gebäudes. Dies erhöht die Sicherheit bei gleichzeitigem Betrieb von Dunstabzugshauben oder Lüftungsanlagen und verringert Lüftungswärmeverluste im Aufstellraum.

Wann ist ein doppelwandiger Edelstahlschornstein an der Außenwand sinnvoll?

Ein doppelwandiger Edelstahlschornstein kommt zum Einsatz, wenn im Haus kein ungenutzter Schornsteinschacht vorhanden ist oder ein neuer Kaminofen im Wohnbereich nachgerüstet werden soll. Durch die integrierte Mineralfaserdämmung kühlen die Abgase nicht zu stark ab, und der Zug bleibt stabil erhalten.

Welcher Werkstoff wird für Abgasleitungen von Gas-Brennwertgeräten genutzt?

Standardmäßig wird schwer entflammbares Polypropylen (PP) eingesetzt. Dieser Kunststoff ist dauerhaft beständig gegen saures Kondenswasser, leicht zu verarbeiten, korrosionsfest und hält Dauertemperaturen von bis zu 120 °C zuverlässig stand.

Muss das neue Abgassystem vom Schornsteinfeger abgenommen werden?

Ja, nach dem Baurecht der Bundesländer ist die Errichtung oder wesentliche Änderung einer Feuerungsanlage anzeigepflichtig. Der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger prüft die Brandsicherheit, die Abgasführung und die Einhaltung der Abstände zu brennbaren Bauteilen vor der dauerhaften Inbetriebnahme.

Was versteht man unter Kaminversottung?

Versottung entsteht, wenn schwefel- und stickoxidhaltiger Wasserdampf aus den Abgasen in das Mauerwerk des Schornsteins eindringt und dort kondensiert. Die säurehaltige Feuchtigkeit zersetzt Mörtel und Steine, was zu braun-gelben Flecken, muffigem Geruch und langfristig zum Stabilitätsverlust des Schornsteins führt.

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